Kein Entkommen aus Urfustan

Otto KwantJochen Schmidt hat mit Ein Auftrag für Otto Kwant das witzigste Buch des Jahres geschrieben

Humorvolle Bücher zu finden ist schwer, sie zu empfehlen ein echtes Wagnis. Menschen lachen eben über verschiedene Dinge. Ich selbst habe seit der Lektüre von Joachim Meyerhoff nicht mehr laut beim Lesen eines Romans gelacht – bis jetzt! Jochen Schmidts Roman Ein Auftrag für Otto Kwant bietet sehr viel Situationskomik und ist witzig, ohne albern zu sein. Man muss wirklich aufpassen, dass man jeden Gag mitbekommt und sollte das Ganze sicherheitshalber zweimal lesen. Doch bitte nicht Jochen Schmidts Roman mit Meyerhoffs Geschichten verwechseln! Sie haben wirklich gar nichts miteinander zu tun, außer dass Joachim Meyerhoff kürzlich als Gast beim Literarischen Quartett dieses Buch empfohlen hat – wie passend, dachte ich.

Jochen Schmidt wurde 1970 in Ostberlin geboren und galt mit seinem Roman Schneckenmühle als Chronist der ostdeutschen Jugend und der Generation, die die Zeit der Wende bewusst miterlebt hat. In Westdeutschland erreichte er damit leider nicht den Kultstatus, den er in den neuen Bundesländern genießt. Für seinen neuen Roman erfindet Jochen Schmidt ein Land namens Urfustan, das irgendwo zwischen Sozialismus und Diktatur seine eigenen Regeln hat, die für Ausländer nicht leicht zu durchschauen sind. Held der Geschichte ist der Architekturstudent Otto Kwant, der auserwählt wird, mit einem bekannten Architekten in dieses Land zu reisen. Und bevor er „nein“ sagen kann, sitzt Otto schon im Flugzeug, um bei einem wichtigen architektonischen Bauwerk mitzuwirken.

Doch Ottos Chef ist bald verschwunden und Otto versucht zunächst die Dinge an seiner statt zu regeln. Manchmal kommt es dabei zu Verwechslungen und irgendwann stellt er fest, dass jeder seiner Schritte überwacht wird. Er kennt die Spielregeln in Urfustan nicht und so befindet sich Otto Kwant bald in einer ausweglosen Situation. Er will das Land so schnell wie möglich wieder verlassen, was sich jedoch als quasi unmöglich herausstellt. In der Kleidung seines Chefs macht er sich mit verschiedenen Verkehrsmitteln auf den Weg zur Landesgrenze, um wieder auszureisen, doch er scheint auf der Stelle zu treten. Unterirdische Gänge, falsche Freunde, Überwachungskameras und eine Rentnergruppe, die ihn aus versicherungstechnischen Gründen nicht im Bus mitfahren lassen will, führen dazu, dass er irgendwann mutterseelenallein in einer Wüste herumirrt. Einmal trifft er hier sogar auf Landesbewohner, die sich als deutsche Minderheit herausstellen und ein Deutsch sprechen, das er leider kaum verstehen kann.

Wie ein naiver Sisyphus, der nicht weiß, wie es so weit mit ihm kommen konnte, versucht Otto Kwant diesem verrückten Land zu entkommen. Eine Geschichte mit viel Ironie erzählt, voller Slapstick-Situationen und Anspielungen auf die Politik sozialistischer Länder. Ganz nebenbei erfahren sie in diesem urkomischen Roman einiges über Architektur.   

Jochen Schmidt

Ein Auftrag für Otto Kwant

C.H.Beck Verlag, € 23,00, ISBN-13: 9783406733765

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